Skitourenwoche der Gruppe NABA im Schwemmerhof, St. Niklaus im Ultental, 17. - 24. April 2004

Leitung: Rolf Sägesser, Bergführer
Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Claudia Betschart (Fotos), Vreni Gubler, Ueli Mosimann, Hans Reinacher, Kurt Uhlmann, Hansruedi Zoller, Vreni Zoller (Bericht).


Routen:   Übersicht
18.-23. April

  Sonntag
18. April
    Montag
19. April
 
Dienstag
20. April

  Mittwoch
21. April


 Donnerstag
22. April
 
Freitag
23. April

(Es handelt sich um die leicht bearbeiteten GPS-tracks, eingetragen auf eingescante Kartenausschnitte, Zeitangaben in GMT, dh Mitteleuropäische Sommerzeit minus 2 Stunden)

Samstag, 17. April 2004:

Eine Reise - sprach der Weise -
beginnt leise...

Abfahrt am Dorenbach nach Ziegelhöfe (Claudia) und Hirshalm (Vreni Gubler) zum Treffen an der Raststätte Pratteln um 10 Uhr mit Ueli, Kurt und Hans.
Die Sonne lachte vom Himmel und wir taten es ebenso. Via Zürich und Walensee erreichten wir kurz nach Mittag das „Heidi-Land“, wo wir zu einem Mittagessen einkehrten.
Um 13.30h traf Rolf Sägesser mit dem Zug aus dem Wallis in Landquart ein. Das Wetter war zwar warm, aber bedeckt.
Im Prättigau winkte der Schnee aus der Höhe, aber im Tal begannen die Wiesen zu grünen. In Selfranga konnten wir ohne Wartezeit auf den Zug fahren und durch das Tunnel tuckern.
Auch im Engadin war das Wetter trüb. Der Ofenpass war einsam, und erst in Glurns gabs einen Espresso-Halt.
Im Vintschgau waren die Obstbauern an der Arbeit. Die Apfelplantagen waren mit einem grünen Hauch überzogen, hie und da leuchtete in einem Garten ein blühendes Pfirsich­bäumchen in sattem Pink. Gegen Meran mischten sich zaghaft die rosaroten Apfelblüten oder strahlend weiss die Blüten der Birnbäume ein.
Hinter Lana kurvten wir den Hang empor ins Ultental hinein. Die Bergspitzen hüllten sich in Nebel und der Zoggler-Stausee war fast leer. Endlich hatten wir St. Nikolaus erreicht und am Südhang empor um 18.30h auf 1'559 m den Schwemmerhof. 
 


 

 
Abenteuerlicher Aufstieg durch den Wald
 

 

 

 
Abfahrt vom Breit Bühel
 

Sonntag, 18. April 2004:

Im Regen nach Breitbühel
im Schnee gibt’s ein Gewühel

Elefantendick stand der Nebel vor dem Fenster, als wir um 06.15h zum Frühstück gingen. Um 07.30h fuhren wir vom Schwemmerhof weg und tauchten unter den Nebel. Von St. Nikolaus talauf überquerten wir nach den Höfen Egg die Falschauer und folgten der schmalen Strasse, die sich bald zwischen Schneemauern höher wand, bis kurz vor dem Gehöft Klapfwies (1'449 m) die Autos parkiert werden konnten.
Wir folgten Rolf auf den Skiern über die Forststrasse ins Klapfbergtal. Das Gezwitscher des Buchfinks und das Rauschen des Baches bildeten die Geräuschkulisse, während wir in der nebelfeuchten Luft im Wald gemächlich höher stiegen. Es begann zu regnen . . .
Auf 1'621 m bog Rolf in einer scharfen Rechtskurve in den Wald hinein, da der Wegweiser nach Breitbühel gewiesen hatte. Die Altschneedecke war von Nadeln und dürren Ästen übersäht. Im Sulz liess sich aber eine gute Spur treten. Geschickt legte Rolf die Route um stämmige Fichten und zwischen tief verschneiten Felstrümmern, durch kurze Schneisen und immer wieder über einen Teppich von Lärchennadeln, wenn der Schnee unter dem Schirm der Tannen fehlte.
Kurz vor 11h hatten wir die Forststrasse wieder erreicht. Nach einer Rast ging es bedeutend weniger steil aufwärts, bald auch im lichteren Wald, dafür im weniger tragfähigen Schnee, der wie ein schweres Tuch über der Landschaft lag.
Jetzt setzte Schneegestöber ein, ab und zu blinzelte die Sonne zwischen den Nebelwolken durch, aber bis wir das Gipfelkreuz von Breitbühel auf 2'287 m erreicht hatten (3 Stunden), perlte auch ohne Sonnenlicht noch mancher Schweisstropfen in den Kragen.
Die Gipfelrast fiel kurz aus.  Ohne grosse Begeisterung begannen wir die Abfahrt im etwas unklaren Licht. Rolf wedelte voraus wie ein Pudelschwänzchen, und wir folgten in unter¬schiedlichem Tempo. Der Schnee war schwer und bodenlos, so dass der „Titanic-Song“ an¬gebracht war: „Wo man sinkt, da lass dich ruhig nieder . . . „
Wir erreichten die Waldgrenze und die einzige schwierige Passage, ein kurzes Stück zur Forststrasse hinunter. Jetzt konnten wir breitbeinig losfahren in einer riesigen Schlaufe zu¬rück ins Klapfbergtal und zu den Autos (12.45h).
Schwierig war jetzt die Suche nach einem offenen Gasthaus. Wir liessen uns zu Bier, Kaffee und Strudel im „Mesner“ St. Nikolaus nieder. Die Jagdtrophäen blickten von den Wänden der Gaststube auf eine heitere Gruppe nieder.
Um 15h kehrten wir zum Schwemmerhof zurück. Ein gemütlicher Jass in der wohlig warmen „Rumpelkommer“ liess die Zeit bis zum Nachtessen im Flug vergehen.

 

 

 

 

 
da ist der Schnee knapp, aber es liegt ein weicher Nadeltepich
 

 Rolf am navigieren durch den Nebel

         
Riesen und Zwerge im Nebel
 
 

 Schnee- und Baumkunst

 

 
 

Montag, 19. April 2004:

Wenn Schnee fällt auf Kuppelwies
ist das Wetter ziemlich mies

Die ganze Nacht durch hatte es leise geregnet. Als wir um 06.45 h bei einem gemütlichen Frühstück sassen, wurden die Tropfen langsam dicker.
Abfahrt um 08.15 h ins Tal hinunter, dort nach links nach Kuppelwies und auf der bald Schnee bedeckten Strasse nach Norden zur „Steinrast“, wo wir die Autos bei der Talstation der Arzkarsee-Gondelbahn (Werkbahn) parkierten. Der Schnee fiel dick und nass und der Nebel verschluckte die Landschaft.
Gemütlich schoben wir die Skier hinter Rolf in der Spur über sanfte Hänge empor. Die Stök­ke gruben dunkle Löcher in den mit 10 cm Neuschnee überdeckten alten Schnee. Frau Holle war kräftig dabei, für Nachschub zu sorgen. . .
Nach einer Stunde hatten wir auf 1'980 m – schweissfeucht unter der Windjacke – den „Sommerparking“ erreicht. Das alte Holzgebäude einer nicht mehr funktionierenden Seilbahn bot Unterstand für eine Rast, die vor allem wegen der heiteren Unterhaltung als gemütlich gelten darf.
Weiter ging’s auf der Fahrstrasse mit Ziel „Pfeiler“ oder „Tarscher Joch“, aber schon bald war klar – respektive trüb – dass in diesem Nebel und bei so unergründlichem Untergrund eine baldige Umkehr nötig würde. Auf 2'120 m wurde der Aufstieg abgebrochen und die Rück­kehr, die im Fachjargon auch „Abfahrt“ genannt wird – begann. Nach dem ersten Hang mit versteckten Steinen wurde der Schnee schmieriger, so dass eine kurze Schussfahrt über den Weg und die alten Schneerutsche möglich war. Zwischen den Lärchen begann ein heite­res Schwingen. In den Kurven türmten sich graue Schneehaufen auf, die an schaumge­krönte Brecher in stürmischer See erinnerten.
Etwas nass stiegen wir kurz vor 12 Uhr in die Autos, versuchten dann aber in der „Wald­schenke“, respektive der kleinen Bar „Weiberhimmel“ bei Kaffee, Strudel und Jagertee wie­der warm zu werden, was uns so richtig aber erst in der Sauna des Schwemmerhofs gelang.
Den ganzen Nachmittag hindurch wirbelten vor den dunklen Balken des alten Holzhauses die Schneeflocken aus dem silbernen Nebelhimmel, so dass die schwarzen und goldbraunen Hühner, die sonst auf der schon grün werdenden Wiese nach Würmern pickten, im Stall blieben. Langsam blieb der Schnee, zuerst auf dem Stein beschwerten Schindeldach, dann auf den Wiesen und auf der Strasse liegen.

 
noch frohen Mutes
 Hans
 
verloren im Nebel
 

 
 
 

 

 
 
 letzte Nebelresten im Talgrund

 
 
 Markanter Baum am Weg
 
Abfahrt
 Hoppla!
 
 
 

 
 

 
 

Dienstag, 20. April 2004:

Die weisse Flimspitz schaut über den Wald
sie ruft mich, sie zieht mich, sie tut mir Gewalt ....
(frei nach Gottfried Keller)

Der Morgen begann wie eine romantische Hochzeit: ganz in Weiss!

Frühstück um 06.30 h, Abfahrt um 07.40 h Richtung Weissbrunnsee zu den Pilshöfen. Die Strasse war schneebedeckt, die Matten ruhten unter einer keuschen weissen Decke.

Wir zogen los hinter Rolf ins Tufertal hinein. Die Natur bot im hellen Sonnenschein mit dem klar blauen Himmel zauberhafte Stimmungen, so dass die Bild begeisterte NABA sich in eine wahre Photo-Orgie hinein steigerte.

Und denne knipse si wie wild
bi Schnee und Sunne Bild um Bild
Und zoobe waiss e kaine meh
was me wenn, wie, wo het gseh.
Me schwätzt vo Megabites und Zahle . . .
für mi sins digitali Quale!

Dem Wanderweg entlang konnten wir im Schatten durch den Wald gehen. Lärchen und Fichten waren gleichermassen mit einer glitzernden Schneelast bedacht. Immer wieder ent­ledigten sich Äste ihrer Fracht und liessen in glitzernden Kaskaden den Schnee fallen, so dass wir an Aschenputtel erinnert wurden, das sich im Märchen für den Ball beim Prinzen unter einem Zauberbaum mit „Gold und Silber“ hatte einkleiden lassen.

Plötzlich stand am Horizont über einer Waldlichtung eine alte Wetter-Lärche, mit ihren Schnee beladenen Ästen wie eine japanische Kaligraphie vor dem blauen Frühlingshimmel.

Wir erreichten die tief verschneiten Hütten der Tuferalm, rasteten und genossen die Ruhe und Wärme der Bergeinsamkeit. Dann führte uns Rolf in den weiten Talkessel hinein. Der Schnee reflektierte das doch eigentlich ersehnte Sonnenlicht. Kein Lüftchen strich vorbei und die Temperatur stieg an. Schweiss brannte in meinen Augen und die Kehle wurde trocken. Die gleissende Landschaft schien die Augen ausbrennen zu wollen . . . Ein weiterer kurzer Halt erfrischte mich ein wenig, aber schon bald drückte der unbequeme Rucksack wieder schwer.

Rolf fand einen sehr guten Anstieg in absolut sicheren Verhältnissen, indem er um eine Felsnase spurte, dann in mehreren Spitzkehren sich auf einem Grasrücken hielt und in eine kleine Einsattelung zog, hinter der sich ein weiteres Hochtal auftat. Wie stets bei abwechs­lungsreichen Passagen weckte mich die Ausgesetztheit und liess mich die Müdigkeit etwas vergessen.

Vreni Gubler beschloss, hier auf die Rückkehr der Gipfelstürmer zu warten. Dankbar liess ich meine Last von den Schultern gleiten und den Rucksack hier zurück.

8 kleine Negerlein
sind zur Flimspitz g’stiegen.
Eines blieb beim Sack zurück
da waren’s nur noch sieben.

Unbeschwert stieg ich weiter bergan, bis Claudia sich entschloss, eine kleine Anhöhe als Rastplatz zu nutzen. Hans schloss sich an, und wir schlichen weiter hinter Rolf in den Tal­kessel.

7 kleine Negerlein,
die stiegen flott bergan.
Zwei die kamen auf die Rümpf,
da waren’s nur noch fünf.

Plötzlich lahmte auch Kurt. Er versuchte sich mit dem Salamibrot als Wiederkäuer . . .

5 kleine Negerlein,
die packte Gipfel-Gier.
Eines blieb ein Stück zurück
da waren’s nur noch vier.

Ueli puschte Rolf, der immer wieder die Schneequalität begutachtete und eine optimale Spuranlage suchte. Hansruedi und ich entschlossen uns auf 2'900 m zur Abfahrt. Kurt quälte sich an uns vorbei und erreichte – etwas ausgepumpt – den Gipfel der Flimspitze (3’113 m) ebenfalls. Wir kurvten zurück zu Claudia und genossen eine ausgiebige Rast.

4 kleine Negerlein
das fünfte holte auf
zwei die machten rechtsumkehrt
und sagten: Kurt – jetz lauf!

Schliesslich entliess der Berg auch die drei Gipfelstürmer und wir konnten, wieder vereint, im tiefen Schnee die Abfahrt wagen.

3 kleine Negerlein
die hänn am Gipfel glacht
denn wädle si durab mitnand
und denn sins wider acht!

An der Tuferlalm gab’s nochmals einen Trinkhalt. Jetzt gestaltete sich das Skifahren etwas mühsam. Über den Waldweg gingen wir oft zu Fuss, denn die Sonne hatte den Neuschnee gnadenlos weggebrannt. Über die letzte Weide legten wir grün/braune Halbmonde in die dünne Schneedecke und markierten damit ein buchstäbliches „grounding“. Wo am Morgen noch Schnee gelegen hatte, bedeckten jetzt zarte weisse und lila farbige Krokusse die Bergmatten.

Einkehr im Restaurant Edelweiss in St. Gertraud, Broteinkauf und Rückkehr in den Schwemmerhof, der in der Abendsonne inmitten sattgrüner Matten lag.

 
 
 

 
 
 
 Abmarsch im Gänsemarsch

 
 frisch verschneite Äste
 

 
 
 Schussfahrt talauswärts

 
 
 




Panorama Flimalm

360° Panorama Flimtal

Panorama Ultental


 Abfahrt

Dachkonstruktion
 

Aufstieg kurz vor dem Joch 

 Vreni auf dem Gipfelgrat

 durch lichte Lärchen

 
 

Mittwoch, 21. April 2004:

Trenta hiess die Cima
hier war die Abfahrt prima!

Wie üblich war ein reiches Buffet gedeckt, als wir um 06.45 h zum Frühstück kamen. Abfahrt um 07.30 h nach St. Gertraud und Aufstieg über harten Firn ins Kirchbergtal.

Angenehm im Schatten ging der Weg in ein einsames, tief eingeschnittenes Bergtal. Auf 1'700 m bei der Markierung „Enzianhütte“ (es wird im Sommer dort wahrscheinlich ein kiosk­artiger Verkaufspunkt für Getränke sein), zweigte Rolf nach links ab und führte uns durch den Wald hinauf. Eine holprige Passage mit altem Rutschschnee war zu queren, bis sich langsam der Wald lichtete und die Steilheit des Geländes nachliess. An einem idyllischen Punkt auf 2'100 m liessen wir uns zur Rast nieder.

Dann stiegen wir weiter durch eine Rinne hinauf bis sich bei der Inneren Alplaner Alm ein Hochtal öffnete, das uns in seiner weissen Pracht und mit einer grossen Stille beeindruckte. Über Ausser Seefeld erreichten wir einen Sattel auf 2'520 m und rätselten über den weiteren Anstieg zum Gipfel, der nun vor uns lag. Rolf konsultierte die Karte, blickte in die Landschaft und zog los.

Ohne an Höhe zu verlieren und mit wenigen Spitzkehren, die plötzlich einen atemberauben­den Tiefblick ins Nonsertal gewährten,  erreichten wir den schmalen Grat, der von Süden zur Cima Trenta (2’’636 m) oder auch Walscherberg genannt, führte. In angenehmer Tempera­tur konnten wir uns auf diesem Dachfirst niederlassen, die Aussicht begutachten und aus­giebig rasten. Claudia’s Finger vibrierte am Auslöser, so dass wohl wieder ein perfektes Panorama zustande kommen wird.

Bis zur Waldgrenze hinunter konnten wir eine herrliche Sulzabfahrt geniessen. Aber zwi­schen Lärchen und Fichten begann der Sinkflug, das heisst wenn wir beim Sinken nicht auf­passten, flogen wir. Aber auch diesen eng gesteckten Slalom bewältigten wir, samt der jetzt etwas weicheren Lawinenkegel-Passage. Im Tal unten hatte die Wärme den Schnee aufge­weicht. Nach einer Rast galt es den Ehrgeiz zu zügeln, denn mit dem nötigen Abstand liess sich in der Spur bedeutend einfacher rutschen. Um 15 h hatten wir St. Gertraud erreicht. Wir kehrten in der neu eröffneten Pension „Arnstein“ ein.

Nach der Rückkehr zum Schwemmerhof spazierte ich an Krokussmatten vorbei zur Kapelle nach St. Moritz hinauf, denn ich wollte die geschnitzte Holztüre fotografieren. Leider lag sie im Schatten. Ich setzte mich auf die durchwärmten Granitstufen und blickte in dieses Bergtal im Sonnenlicht. Sitzen, schauen, staunen – vielleicht wird das für mich bald zum Synonym für „Ferien“, während es früher bedeutete: Berge besteigen, Abfahrten wagen.


 

 
Gegenlicht im Aufstieg durch lichten Wald
 
Schneeglitzer auf der Hochebene
 
Krokuswiese oberhalb des Schwemmerhofs

 Wegweiser bestätigen unsere Route

 Wassermühle, wie es viele gibt

Panorama auf der Abfahrt

360° Panorama von der Cima Trenta

Panorama unseres PickNick Platzes

eine schmale Schneespur führt ins Tal hinauf
Aufstieg gegen das Flimjoch
Abfahrt
Schneestrukturen

da gehts nicht mehr weiter...
   

Donnerstag, 22. April 2004:

Halt aa, loos zue wie d Veegel pfyffe!
Der Rolf hilft, ass de kasch begryffe:
Das isch en Amsle – säll e Maise.
Me gniesst „Adagio-Bildigsraise“.

Frühstück früh um 6 Uhr, noch bevor die Sonne die Bergspitzen küsste. Abfahrt um 07.00 h nach St. Gertraud und zur Häusergruppe Angerle auf 1'783 m. Der Forststrasse entlang wanderten wir ins Flatschbergtal.

Die Vögel sangen ihr Morgenlied und im jungen Tag waren die Welt und die NABA noch frisch. Wir querten den Bach, stiegen über die Matten und dem Wanderweg entlang zur Un­teren Flatschberg Alm. Langsam blieben die Bäume zurück. Oberhalb der Oberen Flatsch­berg Alm gab’s auf 2'000 m eine Pause. Am jenseitigen Hang beobachteten wir eine Schar Gämsen. Bedeutend weniger leichtfüssig stiegen wir weiter.

Die Sonne brannte und liess den Schnee grell leuchten. Hans hatte seinen Abstand etwas ausgeweitet, als mit lautem Donnern vom felsdurchsetzten Osthang der Tuferspitze eine Lockerschneelawine mit einer grossen Staubwolke in die Tiefe fuhr. Und da waren wir doch froh um die regelmässige LVS-Kontrolle vor dem Aufstieg,

denn was sie sich ans Mieder hängen
schützt bei Lawinen-Niedergängen.

Hans reagierte mit Abfahrt und war als dunkler Punkt bald unseren Blicken entschwunden. Als sich der Schneestaub etwas verzo­gen hatte sahen wir, dass die Aufstiegsspur von den Schnee­massen nicht betroffen war. Hans konnte zu uns aufsteigen. Auf 2'750 m war ein Trinkhalt angesagt. Wir kauerten uns nach Möglichkeit in den Schatten der an den Skistöcken aufgehängten Jacken.

Rolf entschloss sich, den weiteren Weg zu erkunden und stieg gegen das Flimjoch. Wir warteten auf die üblichen beiden kleinen Jauchzer – vergeblich. Nach eingehender Analyse des Schneedeckenaufbaus riet er zur Umkehr. Im tiefen Sulzschnee legten wir ganz nette Spuren in die Hänge und konnten uns an der Oberen Flatschberg Alm im Schatten der Blockhütte verpflegen.

Zurück beim Auto waren wir um 13.30 h, fuhren nach St. Gertraud und kehrten im Gasthaus Edelweiss ein.

Die Sonnenterrasse am Schwemmerhof wurde ebenfalls rege frequentiert, bis wieder Zeit war für ein vorzügliches und opulentes Nachtessen.
 
Flatschbergtal
die letzten Reste der Lawine
Vreni und Hansruedi versuchen der brennenden Sonne zu entgehen
Abfahrt in Richtung der nun ruhenden Lawine
Abfahrt entlang des Baches
Schneefleckenhüpfen heisst diese Disziplin

Panorama Flatschbergtal, im Hintergrund das Flimjoch

Panorama beim Umkehrpunkt unterhalb des Flimjochs


Brücke im Tal

Rast

Gruppe im Aufstieg vor dem Hohen Dieb

Windgeformter Schnee und Wolken kurz vor dem Gipfel

Gipfelbild auf dem Hohen Dieb

 

Freitag, 23. April 2004:

Man fragt sich oftmals unverhohlen
Was hat der Hohe Dieb gestohlen?

Beim Frühstück um 6 Uhr war die intensive Morgenröte im Osten am Verblassen. Um 07.00 Uhr starteten wir und fuhren nach St. Nikolaus hinunter, dann nach Kuppelwies und ins Kuppelwieser Tal. Bei Obermarson zweigten wir nach Osten ab und fuhren an den Pirchler Höfen vorbei, weiter bergauf nach Hochrain und dann gegen die Larchberg Säge. Am Wald­rand liessen wir die Autos stehen und schulterten die Ski.

Noch lagen Schneereste auf dem Weg, aber erst nach Platzwies nach etwa 20 Minuten konnten wir die Ski besteigen. Wie Saatkrähen stolzierten wir über die Unterbrüche in der Schneedecke auf dem mit Schotter, Lärchennadeln oder Rossmist bestreuten Waldweg und erreichten die langsam zusammenfallende Larchberg Säge. Jetzt folgten wir dem Kofler­raster Bach nach Norden. Bald lichtete sich der Wald, Lärchen und Arven standen verstreut und die Sonne schien. Über eine kleine Ebene erreichten wir auf 2'200 m ein hübsches Plätzchen für die Znünirast.

Weiter ging’s zur Koflerrast Alm hinauf. Die Sonne schien warm und der Firn hätte eben die richtige Konsistenz für die Abfahrt erreicht. Wir stiegen zu einem kleinen Pass hinauf. Dahinter lag der Lange See, der mich im Sommer 2002 durch seine grosse Ruhe beein­druckt hatte. Jetzt zeigte lediglich die glatte Fläche, dass hier gefrorenes Wasser lag. Sorgfältig wählte Rolf die Aufstiegsroute. Das angenehme Lüftchen, das mir ein wenig die Stirne ge­kühlt hatte, verabschiedete sich, als wir in der Flanke aufstiegen.

Auf einem aperen Platz kurz vor Erreichen des Nordgrates war uns ein Trinkhalt vergönnt. Schon vorher hatten die grossen Cumuli ein eindrückliches Bild geboten. Als wir das letzte Stück zum Gipfel stiegen, meldete sich wieder der leise Zephir. Ein Schneehuhn-Pärchen brachte sich vor uns in Deckung. Es gelang uns gerade noch, einen Blick auf die flatterhaften Vögel zu werfen, bevor der Hahn mit einem huldvollen Kopfnicken dem Weibchen folgte.

Wir erreichten den Steinmann am Gipfel des Hohen Diebs (2’730 m). Die Sonne hatte sich ganz hinter die Wolken verzogen, die von Süden heran drängten. Aber der Blick ins Vintsch­gau war sehr lohnend. Im Norden waren die Ötztaler Gipfel mit Similaun zu erkennen, im Westen das Hasenöhrl mit der blauen Schneid, im Süden die Ultentaler Berge nur im Osten liess sich streiten, ob nun Schlern, Rosengarten oder Sellagruppe den Horizont begrenzten.

Für die Abfahrt wählte Rolf die vom Gipfel nordöstlich direkt zum Langen See hinunter füh­rende Flanke, die mit viel – für meine Begriffe etwas schwerem Schnee – gefüllt war. Rolf wedelte voraus und bald hatten wir die Kofelraster Alm erreicht. Nach weiten, flacheren Stü­cken mit kleinen Hindernissen tauchten die ersten Bäume auf. Der Sulz wurde tief und die Ideallinie zwischen Bäumen oder Felshindernissen nicht immer leicht zu halten. Aber irgend wie erreichten wir den Bach, die Brücke und die Larchberg Säge. Bald schon kamen die ersten Pausen in der Schneedecke. Mit einem kleinen Fussmarsch erreichten wir die Autos. Ein warmer Wind strich durchs Tal. Die Bergvögel jubilierten in den Ästen und der Geruch von nassem Waldboden und Harz liebkoste unsere Nasen.

Fahrt nach St. Nikolaus, Einkehr im Sporthotel (ne vaut pas le détour!) und Einkauf in St. Nikolaus.
 

Hochtal auf dem Weg zum Hohen Dieb

Blick zurück talauswärts und auf unsere Aufstiegsspur

eindrückliche Turmwolken

die letzten Meter zum Gipfel (Vreni Z, Hansruedi, Vreni G)

Abfahrt
Panorama im Aufstieg

360° Panorama vom Hohen Dieb

360° Panorama vom Hohen Dieb

Panorama im Aufstieg, schwitzender Hans

Panorama Richtung Vinschgau


Samstag, 24. April 2004:

Ende gut – alles gut
gilt, wenn man so weit reisen tut!

Um 06.00 h glühte erst ein schmaler, kurzer Streifen im Osten. Der Himmel war von Wolken bedeckt. Rasch hatten wir unsere Habseligkeiten gepackt und genossen ein letztes, leckeres Frühstück an der reich gedeckten Schwemmerhof-Tafel.

Kurz nach 08.00 h verliessen wir den Schwemmerhof mit je einer Flasche Kalterersee Aus­lese und den guten Wünschen von Frau Schwienbacher-Staffler. Das Ultental präsentierte sich in seinem Frühlingskleid. Von den Matten leuchteten Krokusse und goldgelber Löwen­zahn. Vor Lana zeigten sich die ersten grünen Blätter an den Birken, die Lärchen schimmer­ten in hellem Nadelkleid und die Weiden liessen ihre spriessenden Kätzchen ahnen.

In den Obstgärten des Vintschgaus blühten die Bäume in weissen und rosaroten Wolken. Beim Halt in Schlanders spähten wir zu den schneebedeckten Gipfeln empor. Aber wie immer auf der Heimreise drängte die Zeit. Sonnig blieb es über den Ofenpass im wieder vorfrühlingshafteren Engadin, wo wir nach knapp ¾ Stunden Wartezeit in Saglians verladen konnten.

Grau und nieselnass empfing uns das Prättigau. Erst in Landquart blinzelte eine unent­schlossene Sonne durch die Wolken. Die frischen Temperaturen liessen uns frösteln. Rolf verabschiedete sich, und wir hatten den kleinen Lunch im Café bald verdaut. Am Walensee war’s wieder trüb, aber in der March schien dann doch die Sonne auf eine aprilhafte Land­schaft.

Vreni wurde in Riehen, Claudia in den Ziegelhöfen ausgeladen. Und dann war’s ein Katzen­sprung an die Dorenbachstrasse zu Shanty.

Eintrag ins Führerbuch von Rolf Sägesser:

NABA-Skitourenwoche 2002 -16. bis 23. März
NABA-Woche 2004
Ultental/Südtirol, Pension „Schwemmerhof“, St. Nikolaus
17. – 24. April 2004

Breitbühel                                  2'287 m
ob der Kuppelwieser Alm          2'120 m
Flimspitze                                 3’113 m
Cima Trenta                              2'636 m
 unter der Tufer Spitze               2'750 m
Hoher Dieb                                2'730 m

E Wuche mit em Rolf im Schnee
und jeedi Tour isch A.T.G.
!

Adagio bis Prestissimo
In Pflotsch – doch nie in d Schyssy ko.

By Schnee und Näbel – genial -
Vom Bärg kunnsch zrugg ins (digi)-Tal

An jeedem Oobe, kasch druff zelle,
erläbsch’s nomool im Virtuelle.

Gnosse hämmer au die Bracht,
wenn’s haiss isch, und wenn d Sunne lacht.

Betreut vom Rolf bis spoot am Aba,
mit Lob und Dangg sin mir: Dy NABA


Links: Adagio Alpina (Bergführer Rolf Sägesser)
Schwemmerhof, Ultental

 
Copyright for all pictures: Claudia Betschart